Wacken 2014 Rückblick

Das war es nun das 25. Wacken Open Air, irgendwo im Nirgendwo vor 25 Jahren gegründet. „Wir haben jeden Fehler ausprobiert den man machen konnte“ So etwa meinte Thomas Jensen einer der Gründer des Festivals unlängst in einem Interview.

 Bilder Wacken 2014

Zuerst einmal ein Phänomen – kein Regen! Es war schon sonderbar, denn anstelle des feucht modrigen Ackeraromas wehten Staubstürme über die durch 150.000 Füsse (75.000 je zwei Beine) aufgewirbelte Fläche. Der Eingang zum Infield war in diesem Jahr weit nach hinten verlagert und vergrösserte das Areal enorm.

Auch der Biergarten war vor den Eingang des Metalmarktes und den Ausgang des Wackinger gewandert, was schon am Mittwoch zu einem enormen Stau führte.
Als dann die Wacken Firefighters loslegten war kein Durchkommen möglich. An der bisherigen Beergarden Position waren nun die Pagodenzelte der Fressmeile in Reih und Glied angeordnet. Es hat sich also optisch eine Menge getan. Ich kannte die Party in der „Kuhle“ noch, in der nun mit Ach und Krach gerade mal Produktion und Artist Village Platz finden. Es gibt sie tatsächlich diese Sekunde in der Du kapierst, dass die Zeit nicht stehenbleibt.

Aus der Hitze von 2013 resultierte ein sinnvolles Goodie im Metalbag. Die Wassertüte mit Karabiner die man füllen konnte und die auch im Infield gestattet war. Die Schlangen vor den Wasserstellen zeigten, dass dieser Wassersack wirklich gut angenommen wurde.

Auch der Presseeingang wurde verlegt und die Fotografen und Teams per Bus eingeshuttelt. Allerdings wird sich dies wohl in 2015 bereits wieder ändern, denn es hat sich wirklich nicht bewährt mit gefühlten 10Kilo Equipment durch die Menge zu laufen um die Bühnen zu erreichen. Im Ergebnis schaffte man es leider weniger Bands abzulichten.
Also kurz den Plan geändert und machen was eben über die Strecke möglich war.

Es geht bei dem Festival nicht in erster Linie um uns „Pressefussel“ sondern um die Fans, daher nahmen die meisten Fotografen diese Änderung als das was es war – ein Versuch.
So jedenfalls las sich die Mail die jeden akkreditierten Pressevertreter nach dem Festival erreichte. Also macht es keinen Sinn weiter darauf einzugehen. Eine Stunde zu Shutteln um sich eben im Auto oder Zelt mit Akku und Speicherkarte zu versorgen oder nur einfach hinzusetzen machte jedenfalls die Arbeit nicht leichter.

Mir taten die Ladys und Gentleman im Pressezelt wirklich leid, konnten diese fleissigen Crewleute doch am wenigsten für diese Änderung.  Ich glaube auch der Mangel an Sitzgelegenheiten und das umgestaltete Pressezelt trugen zu einer merkwürdigen Stimmung bei. Es war eben in 2014 Alles etwas Anders als gewohnt. Also abwarten, denn ich denke schon, dass die Dinge  beim Veranstalter angekommen sind und wieder Bewegung bringen werden.

Zurück zur Hauptache, dem grössten Metalfestival dieses Planeten. Bis zum Schluss war man gespannt, wer denn nun zum 25. WOA als Überraschungs Headliner aufschlägt. Nun es kam anders als erwartet. Accept brachte einen brachialen Auftritt und ebenso Amon Amarth sowie Arch Enemy. Kurz nach dem Festival schoss die CD von Accept in den deutschen Album Charts weit nach oben was für Metal nicht eben selbstvertsändlich ist.

Kurzum mein Resumee, es war einfach kein Headliner notwendig, denn das Lineup war wertig genug und für jeden Geschmack war etwas dabei. Da haben wir auch das Stichwort „Geschmack“ denn wieder gab es Kritik wieso Helge Schneider oder ein Komiker einen Auftritt hinlegen mussten. Mal im ernst Leute, immer wenn so einen Auftritt war gab es zeitgleich etwas für die harte Fraktion auf einer anderen Bühne. Anstelle vom „Verfall der Metalwerte unter Odins weinenden Augen“ zu schwafeln reicht es einfach sich eine Liste mit Bands zu machen. So braucht man sich nicht weiter aufzuregen wie ein Kleingärtner. Nunja, Santiano auf der grossen Partystage anstelle auf der Bühne des Wackingerdorfes habe ich auch nicht sofort kapiert. Allerdings wurden auch die Shantyrocker wohl nicht verjagt sondern eher bejubelt. Wer es nicht mag der wandert eben zur Wetstage und hört dort „passendere“ Klänge. Ohnehin bleibt die Wetstage, oder wie es heute heisst „Bullhead City“, mein absoluter Geheimtipp.

Ich glaube dieses Kleingärtnerdenken träufelt an den Stiefeln der echten Fans vorbei und versickert im Boden denn – WOA 2015 ist bereits wieder ausverkauft. Allerdings ohne die Personalisierung der Tickets. Der Grund ist ganz einfach, es war nicht möglich Wucherangebote auf ebay zu sperren. Kein Veranstalter macht sich daher solche Mühe wenn das Gesetz diesen Haien schlicht nicht das Handwerk legen will.  Daher in 2015 wieder mit voller Wucht und ohne Namen aufs Festival. So war auch der Ausverkauf für das kommende Jahr nur eine Frage von Stunden. Der Fanschröpfer konnte sich leider wieder mit reichlich Karten eindecken die dann im August kommendes Jahr völlig überzogen verklatscht werden. Tja, Danke ebay kann man da nur sagen.

Nun zu meinem wichtigsten Eindruck dieses Jahr.
Sie sind da! Die neuen Metalfans. Jünger als das Stammpublikum sowie ein paar Partypeople im Schlepptau die mehr die nicht einmal „Helga“ kannten.  Jedesmal wenn die Zahlen stiegen in Wacken wechseln auch die Generationen. Es gab es so einen Rutsch 2004 bis 2007 dann 2009 usw.. Das bedeutet, dieses Festival muss mitwachsen und kratzt nun wirklich an der Grenze der Kapazität und des Machbaren. Aber auch dies war kein Problem, denn der Metalopa wird den neuen Fans mit Sicherheit bei einem Fässchen Bier beibringen, dass man Gerstensaft nicht mit Zitrone mischt und man nach „Helga“ nur rufen muss, damit einem 1000 Leute bei der Suche nach der seit 1991 vermissten Dame helfen.

Gemeinsam kann man sich dann an die „Wasteland Warriors“ gewöhnen, die sich nun schon das 2te oder 3te Mal am Rande des Wackinger tummeln. Ein paar Impressionen der täglichen Show habe ich in meiner Galerie gesammelt.

Was ich selbst als ganz gravierenden Einschnitt empfand war die Sperrung der Hauptstraße im Dorf. Die traditionelle Schrittempokaravane an der auch Menschen aus der Umgebung von Wacken oder Tagesgästen jährlich teilnehmen war schlicht ausgefallen. Stattdessen donnerten dort Quads und Rettungswagen entlang der Mainstreet. Ein trauriger Anblick und zudem ein Bruch mit den bisherigen Bildern die man im Kopf hatte wenn einem Wacken in den Sinn kommt. Von den Umwegen die sich hieraus ergeben einmal ganz abgesehen. Notwenig oder nicht, mag ich nicht beurteilen, allerdings wohl eine der sichtbarsten Neuerungen in 25 Jahren Wacken.

Es bleibt also dabei – Wacken ist das was man daraus macht! Weder die BILD noch irgendwelche wilden Geschichten von Leuten, die weil es Chique ist, nur einmal dort waren werden den Matalhead davon abbringen sein Wacken selbst zusammenzubauen.
Es gibt Stämme die ihr Campingreservat nur zum Pinkeln verlassen und ansonsten den Campingplatz beben lassen, genauso wie die „Runner“ die von Stage zu Stage rasen um möglichst viele Bands zu hören.

Mein Erleben bleibt gefangen in dem friedlichen Geist des Festivals, der gegenseitige Rücksicht auch wenn etwas mal dauert oder man in der Schlange steht. Das habe ich auf einigen weitaus pupsigeren Festivals schon mal als Alptraum selbst erlebt.

Von diesem Geist, der den Mythos WOA in weiten Teilen ausmacht, können sich nach wie vor einige andere Festivals mit schlecht eingewiesenen Secus, schräger Einstellung zum Fan, und Mainstreambands mal eine fette Scheibe abschneiden.
WOA in Zahlen

Nachtrag:
Die FullMetal-Metalcruise, die auf dem Festival beworben wurde war binnen weniger Minuten(!) ausverkauft. Damit denke ich ist wohl genug Bestätigung erbracht, dass Metal eben von der Niesche zum gefragten Angebot wurde.