Facebook Fanseiten – Reichweitentod – das Ende des Weges

Die Betreiber von facebook-Fanseiten haben es in den letzten Wochen erlebt. Der Fanschwund ist dramatisch. Zuerst verschwanden lediglich von facebook als Fakeaccounts erkannte Profile. Generell eine sinnvolle Idee, werden nun auch Trolle und Stalker zu Klarnamen gezwungen oder sie fliegen schlicht raus. Natürlich hat dies auch einige Künstler erwischt, die eben unter ihren Spitznamen bekannt waren, Pech gehabt.

Was jedoch zeitgleich geschah ist es die Betreiber von Fanseiten jetzt zwingen zu wollen Anzeigen zu schalten. Es sollen Umsätze generiert werden, dagegen spricht zunächst einmal ebenfalls Nichts, denn facbook bleibt ein Unternehmen. Es ist genausowenig kostenlos wie Google, das schon lange keine „Suchmaschine“ mehr darstellt.  Es machte sich also ein Heer von Programmierern daran eben diesen Auftrag umzusetzen. Das der Nutzer nun auch um sehenswerte Inhalte beraubt wird spielte keine Rolle. Für Non-Profit Seiten oder Bands ist dieser Schritt das Ende des „Seedings“ durch Qualität. Der verordnete Genickbruch hat System.

Diese neue Entwicklung ist zu kurz gedacht und eine klare Entscheidung gegen Qualität und Inhalt. Dies wird sich noch als Fehler erweisen und Nutzer aber auch Werbekunden kosten, dazu später mehr.

Anstatt die Seiten nach Inhalt oder Ziel zu bewerten um damit auch die Zielgruppe der möglichen Anzeigenkunden zu motivieren, schränkte man die Reichweite aller Seiten pauschal nach „Relevanz“ ein. Dies bedeutet, lustige Bildchen mit Sinnsprüchen bewertet das System dummerweise als relevant, da dieser Müll erfahrungsgemäß oft geteilt und kommentiert wird.

In der Folge hat nun jeder facebooknutzer mittlerweile eine schlimme Kopie von RTLII und BILDTrash in der Timeline. Mal ganz ehrlich gesprochen, es macht keinen Spass mehr. Auch  meine faceboknutzung hat sich mittlerweile auf ein Minimum reduziert. Die Abwanderung zu Instagramm, YouKnow, Youtube, flickr, Twitter und Google+, Tumblr und sogar dem totgesagten  Myspace sollte den Strategen bei facebook schwer zu denken geben.

Wer nun eine Fotoseite hat oder eine Bandfanseite oder gar ein kleines Unternehmen betreut sieht derzeit im System sehr alt aus. Regional agierende Unternehmen die naturgemäß wenige, aber wichige Fans binden konnten lesen diesen Niedergang in den Fussnoten der Postings. War es vor einem Jahr noch möglich viele bereits gewonnene Fans und Abonennten der Seite zu erreichen, so sind es heute nur wenige Promille. Wozu brauche ich dann überhaupt Fans, wenn diese gar nicht informiert werden bei neuen Inhalten?

Es kommen aufgrund dieser wenigen Likes ab sofort  auch keine neuen Klicks hinzu. Auch diese Meldungen werden ab sofort unterdrückt. Erinnern wir uns an die Einstellung „optimiere Deine Timeline“ dort liegt der Hase im Pfeffer. Wir sehen schlicht nicht mehr was unseren Freunden gefällt es sei denn sie teilen eben Beiträge oder Bilder. Wohlgemerkt nur, wenn wir zuvor mit eben diesen Freunden interagiert haben erhalten wir überhaupt eine Meldung. Die Scrollbar auf der rechten Seite reicht in der Wahrnehmung eben nicht aus diese „geopferten“ News zu ersetzen.

Deutlich wird Einiges bei Nutzung des Links „ungelesene Nachrichten„. Es ist erstaunlich frech was sich facebook erlaubt vor mir zu filtern. Diesen Link sollte jeder einmal versuchen, denn er offenbahrt mitlerweile eine Menge Dinge die ich sehr wohl gern gelesen hätte. Ein weiterer Test ist auf die eigene Freundesliste zu gehen und einmal die Profile direkt anzusehen. Nun erst wird klar, dass die Timeline nicht mehr das hergibt was man erwartet von einem Socialnetwork.

In der Folge erdenken Firmen weitere Gewinnspiele, Fotografen bieten Filter und Downloads ganzer Serien oder teilweise schlimme Erklärvideos an. Bei den Fotografen machen aber auch Dekoltees und viel nackte Haut oder eben Viecher einen eher mäßigen Fotografen fast zum Star. Diesem Trend braucht man nicht zu folgen. Werte Fotografen, macht den Scheiss einfach nicht mit. Es sei denn es geht Euch nur um „Fame“, dann nur zu, in dem Fall sind zweifelhafte Likes von ein paar geilen Typen dann eben auch Likes. Das Niveau ist eben nach unten völlig offen ich wünsche denen die dort mitspielen müssen gute Reise ins Nirvana. Der Inhalt sagt sehr viel über den Betreiber aus. Diese Tatsache wird sehr oft unterschätzt.

Hinzu kommt leider ein weiterer übler Algorythmus der die bisherigen Interaktionen bewertet. Dies bedeutet in etwa, wem ich nicht zum Geburtstag gratuliere oder dessen Beiträge ich nicht klicke, der wird irgendwann auch unter meinen Freunden irgendwann völlig unsichtbar. Dieser neue Kunstgriff schafft weiteren Platz für paid content.

Machen wir uns keine Illusionen das „Social-Network“ ist nun nicht mehr Social es ist nur noch ein Netzwerk, dass per Anzeigenschaltung bespielt werden soll. Der Unterhaltunswert lag seit geraumer Zeit ohnehin nur noch in regionalen Gruppen. „Du lebst schon lange in Xy wenn Du….“ oder „Flohmarkt Region Hinterland“.

Dort zu posten macht neue Probleme, ist aber oft die letzte Möglichkeit etwa für seine Fotos oder Musik, Veranstaltungen usw. neue regionale  Nutzer und selbst eigene Freunde gezielt zu erreichen. Auf diesem Umweg kann derzeit noch der eine oder andere Fan generiert werden.

Einige Betreiber von Gruppenseiten schränken nun auch das Teilen von externen Inhalten komplett ein, was auch diesen Gruppen einen üblen inhaltlichen Abwärtstrend beschert. Dort treiben sich nun oft noch Profilneurosenträger, Trolle, „Allesliker“, Spammer oder Mitglieder in Frührente mit Zeitüberschuss  herum. Entsprechend landen diese Gruppenseiten nun ebenfalls im Niveaukeller. Also auch dort wird zu kurz gedacht und der Nutzerspass geht endgültig flöten. In der Folge entstehen neue geschlossene Gruppen mit schärferen Kriterien die Deppen und aber auch sinnlose Zensur schlicht ausschliessen bzw. vermeiden wollen.

Man kann diese Entwicklung und das eigene Verhalten beobachten, ignorieren kann man diese jedoch nicht. Mittlerweile wird das bisher unbeliebte Google+ erheblich aufgewertet, bietet Google neben den Fotodiensten für Androidtelefone doch Speicherplatz und leichte Möglichkeiten sich seine Inhalte selbst zusammenzustellen.

Fazit: facebook hat an Wichtigkeit für Entscheider und auch regelmässigen Nutzern verloren. Eine Testanzeige brachte mir bei 40€ Einsatz 8.900 Einblendungen und ein einziges *gefällt mir (aus Magdeburg!) . Nicht etwa weil das Posting uninteressant war, nein die Anzeigensteuerung ist schlicht Müll und eine Regionalisierung findet nicht statt.

Obwohl ich gezielt Eigenschaften von Nutzern und Interessen, die nur in der Region vorhanden sein können, eingestellt hatte. (Interesse bestimmter Verein, Arbeitgeber XY, Kreisgebiet) brät das System eine Kampagne raus die an eingestellten der Zielgruppe völlig vorbeigeht. Ich werde meinen Kunden daher abraten derzeit in Anzeigen zu investieren. Ich habe den Versuch mit einer weiteren betreuten Fanseite wiederholt und das Ergebnis war eben so unterirdisch.

In Gegenprobe habe ich per XING meine Zielgruppe punktgenau erreichen können, mit identischem Inhalt.  Wohlgemerkt mit Ergebnis und Anfragen.

Was ich nun nicht verstehen mag ist Folgendes: Das System facebook ist eine wahre Datenkrake, die über weit mehr bereitwillig herausgegebene Nutzerdaten verfügt als jedes andere Unternehmen am Markt. Warum also sind die neuen Algorythmen so schlecht, dass man meint sie seien in Nachtarbeit vom Praktikanten zusammengekloppt worden?

Es ist doch mit Hirnschmalz machbar sinnvolle Filter oder Klickmaps zu erstellen und vorab zu testen oder? Diese neuen, am Nutzer orientierten, Regeln könnten exakt zur gewünschten und wirklich relevante Timeline führen.

Ebenso wäre das Angebot für Werbetreibende Topp, wenn ich „Alle Damen deren Lieblingsfarbe blau ist zwischen 45-55 aus Dorf X“ gezielt einladen könnte jetzt die blaue Kollektion 1x anzusehen. Gleichfalls muss es möglich werden ein Motiv oder Produkt zu beschlagworten um Menschen aus den Regionen eben dieses Bild einzublenden. Gut, es wird einem vorgegaukelt dies sei derzeit machbar, leider spinnt die Technik wie der Test mir belegte.

Bis diese Basics erfüllt werden bleibt die Timeline nun ein lieblos zusammengeschraubter Contenthaufen, der die weitere Nutzung eher zu einem schmerzhaften Erlebnis macht.
Ich beginne meine Freundesliste in Gruppen zu unterteilen und nervige Freunde mit vielen Katzenbildern schlicht aus dem Abo zu nehmen.

Die vom Unternehmen erhoffte Anzeigenschaltung ist derzeit wenig wirkungsvoll und sinnlose Geldverbrennung. „Nein ich möchte diese Werbung nicht sehen“ verhindert eben nicht, dass ich mit weiterem Schwachsinn beschossen werde. Davon hat auch der Bucher einer Kampagne rein gar Nichts.

Was kann man tun?

Es ist so banal einfach, wie es hart wird in der Umsetzung. Das Nutzerverhalten muss sich radikal ändern. Seltener einloggen, keinen Müll mehr teilen. Schenkt Bands oder Bildern, sowie intelligenten Beiträgen von Firmen aus dem Umfeld und Euren wichtigen Freunden ein *gefällt mir und teilt deren Beiträge. Nur so wird Euer facebook auf Dauer wieder besser. Nehmt Eure Likes bei Zalando, Bild oder Autoseiten zurück und fordert die Programmierer von facebook heraus, einmal nachzudenken was dauerhafte Nutzerbindung wirklich ausmacht – inhaltliche Qualität.

Man könnte fast meinen facebook wird von BWL Fachleuten aus dem Verlagswesen beraten, die gerade durch die Einsparung von Qualität eine komplette Bauchlandung im Print erlebt haben, aber es nicht zugeben können. Der Fehler wird stattdessen wiederholt. Diese Entscheidungen um Zuckerberg sind der Grund der aktuellen Abkehr vom System facebook.

Bis dieser Rückbau repariert wird macht einfach etwas sinnvolles. Geht einmal vor die Tür nutzt neue Dienste und schaut was plötzlich an sinnigen Informationen – etwa per Twitter auf Euch eintrudelt. Naja, und ab und an schaut mal wieder auf facebook ob es wieder besser wird. Zuckerbergs Werbekunden und Nutzer verabschieden sich derweil auf Kanäle die Ihre Nutzer jedenfalls nicht wie der der einst der Volksempfänger mit diktiertem Abfall bombardieren.

Die Formel lautet: Entweder es wird besser oder es ist eben vorbei. MeinVz lässt grüßen.